Häufig gestellte Fragen Hier die Antworten!Was ist eigentlich ein Blindenführhund?Ein Blindenführhund ist für blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen, die Hunde mögen, ein vierbeiniger, pelziger, unverbrüchlicher Freund und gleichzeitig ein hochwertiges Hilfsmittel, das ihnen ein unglaubliches Ausmaß an Mobilität und Unabhängigkeit schenkt.
Gleichzeitig ist er ein eigenständiges Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, sozusagen ein Familienmitglied, für das der Hundeführer ein Hundeleben lang Verantwortung trägt. Wer dazu nicht bereit ist, sollte bei unbelebten Hilfsmitteln bleiben.
Nicht jeder Hund, der mit einem blinden Menschen geht und dem gar ein Führgeschirr umgehängt wurde, ist jedoch schon ein Blindenführhund. Aus dem Amtsdeutsch übersetzt heißt das: Der Hund muss so gesund sein, dass er nach menschlichem Ermessen seinen anspruchsvollen Dienst ca. 8 Jahre lang versehen kann. Es ist also eine genaue ärztliche Untersuchung erforderlich, besteht er diese nicht, kann er nicht zur Prüfung antreten. Wozu müssen die Hunde eine Prüfung machen? Werden sie nicht ohnedies von professionellen Trainern ausgebildet bzw. merken die Sehbehinderten nicht am ehesten, ob der Hund gut arbeitet?Hundeausbildung ist prinzipiell ein freies Gewerbe, das heißt, dass es jedermann betreiben darf (wenn auch nicht unbedingt kann). Der Hund kann nicht erzählen, was er gelernt hat. Besonders ein unerfahrener Hundeführer merkt es viel zu spät, wenn der Hund Ausbildungs- oder Wesensmängel hat, oftmals hat er sich dann schon in den Hund verliebt und möchte ihn nicht mehr hergeben. Derartige Gefühle sind natürlich den Trainern auch bekannt. Ein schlecht ausgebildeter Führhund ist jedoch keine Hilfe, sondern eine Gefahr, weil man mit einem Hund im Allgemeinen drei bis vier Mal so schnell unterwegs ist wie mit dem Langstock. Ersetzt mir der Hund auch die Orientierung?Nein. Er hilft wohl dabei, aber der Hundeführer muss sehr wohl wissen, wo er ist und wo er hin will. Der Hund bekommt während des Weges laufend bestimmte, ihm bekannte Hörzeichen. Wenn der Hundeführer zum Beispiel hört, dass die Häuserzeile zu Ende ist und weiß, dass er zum Büro links einbiegen muss, sagt er dem Hund "links weiter". Wenn er nur zu Beginn seines Weges "um Büro" sagt, und sich weiter nicht kümmert, wo er ist, würde Herr oder Fräulein Hund vielleicht geradeaus zum Fleischhauer gehen, wo es ihm viel besser gefällt. Daher sollte vor Anschaffung des Hundes unbedingt ein sogenanntes Orientierungs- und Mobilitätstraining absolviert werden. Kann ich einfach einen ausgebildeten Hund so nehmen und mit ihm losmarschieren?Nein. Das können nur geschulte blinde Sachverständige, bei denen der Hund zunächst gar nicht auf die Idee kommt, dass man diesen fremden Menschen ja eigentlich gar nicht führen müsste. Hund und Hundeführer müssen zusammengeschult werden, wobei darauf zu achten ist, dass die beiden vom Charakter, Temperament und auch von der Gehgeschwindigkeit zusammenpassen. Ein sehr sensibler Hund mit einem forschen Hundeführer, ein schneller Hund mit einer etwas ängstlichen älteren Dame können nur in einem Fiasko enden.
Die Zusammenschulung dauert zumeist zwischen 2-4 Wochen, je nach Vorkenntnis, Belastbarkeit und Lerngeschwindigkeit des Hundeführers. Der Hundeführer muss lernen, dem Hund die richtigen Hörzeichen zu geben und das, was ihm der Hund anzeigt, richtig zu deuten. Ein Teil der Zusammenschulung kann am Sitz der Führhundefirma durchgeführt werden, das Wichtigste ist aber die Schulung am Wohnort, wo sich der Sehbehinderte auskennt und mit dem Hund gut bekannte Wege bewältigen lernt, zunächst unter Aufsicht des Trainers, dann allein. Danach kann der Aktionsradius erweitert und neue Wege erarbeitet werden, der Hund muss, wie schon erwähnt, überall sicher führen.
Die Führhunde tragen so ein Geschirr. Wenn ich noch ein bisschen sehen kann, genügt dann nicht eine Leine?Nein. Das sogenannte Führgeschirr mit seinem steifen Bügel dient dazu, dass der Hundeführer die Bewegungen des Hundes "lesen" kann. Eine Leine würde die Bewegungen viel zu spät übertragen, so dass der Hundeführer weiter läuft und in ein Loch fällt, obwohl der Hund ganz korrekt davor stehengeblieben ist. Über die zusätzlich am Halsband befestigte Leine kann man spüren, wo der Hund seinen Kopf hindreht (wenn er zum Beispiel beim Führen schnuppert, was er nicht soll). Der Hund darf nur über die Leine korrigiert werden, niemals über den Führbügel. In Österreich benützen die Sehbehinderten zusätzlich zum Hund noch einen weißen Stock, in den USA gehen sie ohne Stock. Wäre das nicht viel angenehmer und unauffälliger?Das mag auf den ersten Gedanken so erscheinen, hat aber entscheidende Nachteile. Für das Gehen mit dem Führhund verwendet man einen Kurzstock, den man locker in der Hand trägt und zum Identifizieren von Hindernissen verwendet, die einem der Hund anzeigt. Besonders Höhenhindernisse erreicht man ohne Stock kaum mit der Hand, beim Tasten mit dem Fuß bei Spalten zwischen Zug und Bahnsteig kann man leicht das Gleichgewicht verlieren. Nicht zuletzt gilt auch der weiße Stock im Straßenverkehr als Verkehrsschutzzeichen, so dass die Autofahrer besonders aufpassen müssen. Ist so ein Führhund nicht arm? Die ganze Zeit muss er in dem Führgeschirr arbeiten?Hunde sind soziale Tiere und arbeiten gerne für ihren Menschen. Man kann es daran sehen, dass ein Führhund sofort angelaufen kommt, wenn der Hundeführer das Führgeschirr nimmt und der Hund den Kopf freiwillig durchsteckt. Natürlich braucht das Tier genug Auslauf und Gelegenheit zum Spielen, möglichst mit Artgenossen. Deshalb braucht der Führhund auch einen guten Gehorsam, damit man ihn frei laufen lassen kann. Ein Blinder mit Führhund steht bei einer Ampel, obwohl sie grün zeigt. Wie soll ich mich verhalten? Kann der Hund nicht erkennen, ob grün oder rot ist?Der Hund kann die Ampelfarben, soviel man weiß, nicht unterscheiden. Der Hundeführer orientiert sich nach dem Gehör, z.B. wenn die Autos links von ihm bremsen, deshalb muss er unter Umständen eine ganze Phase abwarten. Sie können helfen, indem Sie einfach sagen "es ist grün". Packen sie den Hundeführer nicht beim Arm, sein Hund führt ihn ohnedies. Greifen Sie auf keinen Fall ins Führgeschirr! Ich hätte gerne einen Blindenführhund, weil ich viel lieber unabhängig von menschlicher Begleitung wäre, aber wie sollte ich mir so einen teuren Hund je leisten können?Es kommt ganz darauf an, ob der Bewerber um einen Führhund berufstätig ist, in welchem Bundesland er wohnt und bei welcher Pensionsversicherung er versichert ist, ob die Finanzierung einfach oder kompliziert wird. Trotzdem sollte sich aus finanziellen Gründen niemand abschrecken lassen, einen Blindenführhund zu nehmen, wenn er wirklich einen möchte. Es ist bis jetzt immer noch gelungen, auch in schwierigen Fällen bei normalpreisigen Hunden zu einer Finanzierung zu gelangen. Ich habe gehört, dass die öffentlichen Stellen nicht viel zahlen und möchte helfen. Wie kann ich sicher sein, dass mein Geld richtig verwendet wird?Überzeugen Sie sich davon, dass der Blindenführhund, für den Sie spenden wollen, auch wirklich ein geprüfter Blindenführhund nach dem Bundesbehindertengesetz ist. Ein Hundeführer mit einem geprüften Hund besitzt ein Zeugnis mit einer fortlaufenden Nummer von der Prüfungskommission das vom Bundessozialamt ausgestellt wird. Die Fachgruppe „Blindenführhund“ im ÖBSV besitzt ein Konto bei der BAWAG BLZ 14000 Konto Nr. 66810404044 lautend auf Österreichischer Blinden- und Sehbehinderten Verband Fachgruppe „Blindenführhund“. aus dem werden nach Ausschöpfung aller zuständigen öffentlichen Finanzierungsmöglichkeiten finanzielle Hilfe zum Ankauf eines dem Gesetz entsprechenden Blindenführhundes gegeben. Für weitere Fragen steht Ihnen die Fachgruppe Blindenführhund im ÖBSV unter der
Telefonnummer +43 (0)512 238355 oder mobil +43 699 11414366
und unsere Blindenführhunde-Landesfachgruppenleiter in den Bundesländern gerne zur Verfügung.
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