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Roxanne, eine Blindenführhündin erzählt

Ich bin Roxanne und sehe für mein Herrchen!

INHALT:

Guten Tag und ein herzliches Grüß Gott!

VORSTELLUNG
Ich bin eine ausgebildete und qualitäts-geprüfte Blindenführhündin Namens Roxanne. So weit mir bekannt ist, war Roxanne vor vielen Jahrhunderten eine persische Königin. Königin bin ich zwar auch, aber komme nicht aus Persien und habe wie man weiß keine Krone auf, aber dafür schöne schmale, nach oben spitz verlaufende Samtohren. Übrigens mein Fell ist braun, meine Haarspitzen sind schwarz. Ich sag's euch, ganz elegant wirke ich auf meine Umwelt. Schon mein Schritt begeistert nicht nur meine Artgenossen; nein - auch die Menschen, die mich so kennen sagen: "Ach wie graziös bewegt sich dieser Hund".

Roxanne führt Herrchen im Schneechneechnee Das Foto, das mich im Führgeschirr mein Herrchen durch den Schnee führend zeigt, ist ja ein Beweis dafür, wie elegant meine Bewegungen ablaufen. Übrigens, das Foto wurde in Oberösterreich in der Ortschaft Christkindl von meiner Chefin Frau Maria Gerstmann aus der Steiermark, die mich zum Blindenführhund ausgebildet hat, am 15. Dezember 2001 aufgenommen.

Bevor ich von mir weiter erzähle darf ich, ich sitze auf dem Foto bei meinem Frauchen, doch noch meinen Bruder, der sich Tristan nennt und neben meinem Herrchen platz macht, vorstellen. Er ist natürlich, weil er ein Rüde ist etwas größer und hat auch ein sehr schönes Fell.

Roxanne sitzt bei Frauchen und Tristan sitzt bei Klaus Was wir gemeinsam haben sind der Geburtstag und der Tag an dem wir beide sozusagen die Berechtigung erhalten haben, uns als qualitäts-geprüfte Blindenführhunde zu nennen. Mein Bruder Tristan kommt in die Steiermark zu einem jungen dynamischen Mann. Da kann er aber zeigen, was er so gelernt hat. Die Trennung fiel mir von meinem Bruder nicht schwer. Ein kleinen gegenseitigen Nasenreiber und das war's auch schon. Jetzt gehen wir unsere eigenen Wege.

MEIN NEUES ZUHAUSE
Ich wusste gar nicht so recht wie mir geschah, als mich mein Herrchen sofort nach abgelegter Qualitätsprüfung am 17. Dezember 2001, mir das Führgeschirr, also meine Arbeitsuniform, umlegte und wir beide Richtung Westbahnhof gingen, in den Zug nach Innsbruck stiegen und mit dem Taxi in meine neue Heimat fuhren. Ach wie freute ich mich, dass mich mein neues Frauchen an der Wohnungstüre mit großer Begeisterung begrüßte. Ein Stein fiel mir vom  Herzen, weil ich nun wusste, dass mich auch Frauchen akzeptiert. Nach dem ich mir den Magen vollgeschlagen habe, legte ich mich nieder, streckte alle Viere von mir und schlief ein. Ich find es super, wie gut ich untergebracht bin. Mein Schlafplatz ist mit einer schönen Matte und einer Decke ausgelegt, wo ich mich so richtig erholen kann.  Außer  dem Schlafzimmer darf ich alle Räume betreten. Wenn Herrchen und Frauchen im Wohnzimmer sitzen, dann geselle ich mich immer dazu.

Foto zeigt Sohn Stephan mit Roxanne im Wohnzimmer Ach wie fühle ich mich wohl, wenn ich so lieb von Frauchen, Herrchen und Besuchern gestreichelt werde. Ich kann nie genug Streicheleinheiten bekommen.

Vor und hinter dem Haus da habe ich eine große Wiese, wo ich mich so richtig austoben kann.  Im Schnee durch die Gegend zu düsen, macht halt so richtigen Spaß.

Roxanne in Platzposition im Schnee Da mein Leben nicht nur aus Freizeit besteht muss ich berichten, dass  seit ich in Innsbruck bin, das sind jetzt 14 Tage, ich schon ganz schön gefordert worden bin. So war ich schon wieder einmal in Wien, in Innsbruck mehrmals, auch mit Frauchen, unterwegs. Also um diese Jahreszeit und bei Tauwetter im Bus oder in der Straßenbahn platz machen zu müssen, ist für mich, wo ich doch auf Schönheit großen Wert lege, schon eine fast untragbare Zumutung, da ich jedes mal zu Hause meine Pfoten und meinen übrigen Body vom Schmutz durch ablecken des Felles befreien muss.

SILVESTER 2001/02
Den Jahreswechsel 2001/2002 habe ich bei Frauchen und Herrchen verbracht. Am Silvestertag am Nachmittag machte ich mit meinem Herrchen einen ausgedehnten Spaziergang wobei ich feststellen musste, dass ich wirklich schussfest bin. Der Übergang ins neue Jahr war ja nicht gerade leise; aber was soll's. Stellt Euch vor, knapp nach Mitternacht des 1. Januar 2002 habe ich es gewagt mit einem eleganten Sprung auf die Couch im Wohnzimmer zu springen um dort gemütlich platz zu nehmen. Oh weh! Das hätte ich lieber nicht tun sollen. Mein Frauchen hat mich derart zurecht gewiesen, dass meine Stehohren für kurze Zeit umknickten und ich wie ein Dackel aussah. Beim Frühstück wollte ich noch einmal den Versuch von Mitternacht wiederholen. Nichts war's. Wieder hat es eine Rüge eingetragen. Ich merk schon, mein Frauchen und Herrchen sind ja so lieb zu mir, aber bis zum geht nicht mehr konsequent.

DIE TEAM-PRÜFUNG
Mein Herrchen und ich sind überglücklich, denn am 28. März 2002 habe ich mit meinem Herrchen vor einer Prüfungskommission die Teamprüfung mit ausgezeichnetem Erfolg abgelegt. Mein kleines Herz schlägt jetzt noch so heftig vor Aufregung und Freude zugleich, dass mir das Blut bis in die letzten Ohrenspitzen und in die Spitze meiner Rute im Rythmus des Herzschlages strömt. - So, jetzt habe ich mich etwasberuhigt und ich kann dir lieber Leser nun nacheinander den Prüfungsablauf schildern. Es gibt sogar vom Prüfungsweg den ich zu bewältigen hatte, ein paar schöne Bilder.

Zuerst stelle ich dir die Prüfungskommission vor. Prüfungsleiterinwar die Veterinermedizinerin Frau Magistra Cornelia Albrecht aus der Steiermark. Aus Klagenfurt gehörte der Prüfungskommission Herr Chefinspektor Rudolf Druml, als kynologischer Sachverständiger an. Die blinde Führhundereferentindes Tiroler Blinden- und Sehbehindertenverbandes und der blinde Sachverständige Herr Franz Kvasnicka waren weitere Mitglieder der Prüfungskommission. Das Bundessozialamt war durch Herrn Dr.Mag. Helmut Berchtold vertreten.

Das nebenstehende Foto zeigt mich mit Herrchen im Beisein der Prüfungskommission die Straße überquerend.

Nach Überprüfung meiner persönlichen Daten, wie Rasse, Geburtstag, Geburtsort und der Abgleich meiner elektronischen Daten die auf einem Speicherchip, der mir in den Hals implantiert worden ist, hieß es nun mein Bestes zu geben Ich bin etwas beschämt, es war nämlich der zweite Anlauf. Weil ich beim ersten rüfungstermin am 25. Feber 2002 am Bahnsteig den gelben Bodenstreifen links übertrat, musste deshalb meine Führfähigkeit von neuem überprüft werden.

Nun wieder in die Gegenwart, also zum 28. März 2002. Um 11 Uhr trafen sich die Mitglieder der Prüfungskommission. Ich kanns ja nicht verheimlichen; mir schlotterten tatsächlich meine Beine, weil ich einfach Prüfungsangst hatte und so aufgeregt war.

Mit dem Lift, dann die Treppen hinunter, Treppen hinauf gings zum Bahnsteig. Nun mußte ich den Bahnsteig entlang gehen und ohne diesmal die gelbe Sicherheitslinie links zu übertreten. Die vielen Menschen, die auch so eine Reiselust wie ich verspürten, wich ich gekonnt aus, so dass mein Herrchen problemlos und sicher von mir geführt werden konnte.

Foto zeigt mich mit meinem Herrchen am Bahnsteig entlang gehend

Nach der Bahnhofsprozedur führte ich mein Herrchen auf Anweisung des Prüfers durch Menschenmengen bis zum Hotel Europa. Die Straße überquerend, ein rechts schwenk und schon hieß es vor der Bank Austria "platz und bleib"! Ich war schon froh, dass mein Herrchen bald wieder kam und wir westlicher Richtung der Brixner-Straße, bis es plötzlich hieß "such rechts Weg", entlang gingen. Sofort reagierte ich und ich konnte es kaum fassen - ein Schranken stellte sich im Weg. Ich könnte ja ohne Probleme unter dem Schranken durch. Aber ich darf das natürlich nicht, weil sonst würde ich mein Herrchen anstoßen lassen und außerdem ein Minuspunkt wäre dies glattwegs gewesen. Also so führte ich mein Herrchen um den Schranken herum, weil ich gesehen habe, dass die lichte Breite ausreichte um den Befehl "such Weg!" auszuführen.

Eine kurze Rastpause war mir im Park des Landhauses gegönnt bis es dann weiter bis zur Triumpfforte, dann zurück bis zum Sparkassendurchgang, weiter der Gilmstraße entlang, Bozner-Platz und der Meinhardstraße bis das Ziel, ein Restaurant erreicht wurde, ging. Während dieser Tour mußte ich viele Kreuzungen bewältigen, Hindernisse ausweichen, an Kollegen von mir vorbeigehen ohne schnüffeln zu dürfen - für mich war es in keiner Phase ein Problem. Die Prüfer hatten mich mit meinem Herrchen immer im Blickfeld.

Der krönende Abschluß meiner Team-Prüfung waren viele viele Streicheleinheiten, eine wunderschöne Hundemarke des ÖBSV und natürlich das Prüfungszeugnis, das du am Seitenanfang siehst.

SUPER WAR ES IN DEN NIEDERLANDEN
Kaum hatte ich den Prüfungsstress etwas abgebaut, gings am nächsten Tag mit dem Transfertaxi nach München und stell dir vor, mein erster Flug mit einer Boing 737 von der Luftfahrtgesellschaft KLM stand bevor. Meine Osterferien im Jahre 2002 durfte ich nämlich gemeinsam mit Frauchen und Herrchen in den Niederlanden, in der wunderschönen Stadt Den Haag verbringen.

Nun aber wieder zurück zum Airport Franz Josef Strauß in München. Die vielen Menschen, die mit ihren Koffern unterwegs waren und überhaupt die ganze Atmosphäre waren für mich sehr beeindruckend. Im Flugzeug selbst hatte ich sogar einen eigenen Platz zugewiesen erhalten. Ich bin schon sehr froh darüber, dass es ein internationales Abkommen der IARTA gibt, das besagt, dass nur Blindenführhunde in der Kabine mitgenommen werden dürfen. Ich kann mir das nicht vorstellen in irgendeinen Hundezwinger im Frachtraum mit fliegen zu dürfen. Mich beutelst direkt ab, wenn ich an so was denke. Das begleitende Flugpersonal war äußerst zuvorkommend. Sogar Wasser wollte mir man reichen. Ein Service war das - einfach super! Übrigens der Start- und Landevorgang haben auf mich überhaupt keinen Eindruck gemacht. Ganz ruhig blieb ich am Boden liegen und war einfach glücklich bei Frauchen und Herrchen sein zu dürfen. Noch was. Ich habe die Begeisterung meines Herrchen vernommen, als ihm der Chef der Flugzeugbesatzung eine Informationbroschüre des Flugzeuges in Brailleschrift überreichte. So was, sagte Herrchen, habe er noch nie erlebt, dass eine Fluggesellschaft sogar an blinde Fluggäste denkt. Ich erlaube mir darauf ein Wau Wau zu sagen; was heißt: "Vielen Dank an die KLM".

Roxanne am Stand sitzend mit einem Ball vor sich In Den Haag haben sich Frauchen und Herrchen so richtig erholen können. Eine Dünen-Wanderung und eine Wanderung am Strand bleiben mir sicherlich immer in Erinnerung. Da gab es viel zu schnüffeln. Zeitung lesen, sagen die Menschen dazu. Am Strand durfte ich mit einem Ball spielen. Mein Gott - war das schön. Ich habe wirklich viel erlebt und ich werde die schönen Tage in Den Haag sicher nie vergessen. Ausgeruht und erholt kehrte ich wohlbehalten mit Frauchen und Herrchen nach Hause zurück.

Nun will ich mich zur Ruhe begeben, denn ich bin müde. Meinen Kopf stecke ich zwischen meine Vorderläufe und hoffe bald einzuschlafen.


@ Copyright Klaus Martini, Innsbruck - Letztes Update Dienstag, Mai 03, 2005

  

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